Buchveröffentlichung von Mark Zaurov:

Gehörlose Juden - Eine doppelte kulturelle Minderheit -

Eine doppelte kulturelle Minderheit, Gehörlose Juden, wird hinsichtlich ihrer Identitätsentwicklung unter pädagogisch-psychologischen und historisch-soziologischen Aspekten analysiert. Die jüdische Geschichte dient zur Einführung der erlebten Erfahrung als jüdische Person wie in der Assimilation einerseits und Deaf History ("Gehörlosengeschichte") bedingt durch Zwangsoralismus als gehörlose Person andererseits. Letztlich wird die Geschichte der gehörlosen jüdischen Gemeinschaft in einer „nicht-jüdischen oralen Mehrheitsgesellschaft“ dargeboten. Die Deaf History bietet die Grundlage zum Verständnis der Bedeutung der Gebärdensprache und Gehörlosenkultur, die relevant für die Identitätsentwicklung Gehörloser und gehörloser Juden sind. Wesentliche Begriffe wie Deaf-Identität und -Pride, Deaf-Culture, Think-Hearing, Oral sowie Muttersprache der Gehörlosen werden behandelt wie auch Assimilation und jüdischer Selbsthass. Die Bezugnahme auf kulturelle und sprachliche Aspekte erläutert und manifestiert die Festlegung Gehörloser als sprachliche Minderheit, die nicht unter der Kategorie Behinderte anzusiedeln ist. Der Identitätskonflikt, der aus der Zugehörigkeit zu zwei Minderheitengruppen resultiert und so eine Potenzierung erfährt, wird mittels eines Rückblicks auf die Geschichte und Interviewerhebungen aus Deutschland, Russland und USA analysiert. Hierbei werden Probleme innerhalb der jüdischen und Gehörlosengemeinschaft (die auch durch den Nationalsozialismus und Antisemitismus evtl. bedingt sind) angesprochen und Lösungsvorschläge dargestellt.

Inhalt: Aus dem Inhalt: Analyse einer doppelten Minderheit: Gehörlose Juden, Geschichte und Soziologie der Gehörlosen und Juden sowie gehörloser Juden - Gehörlose als sprachliche Minderheit - Psychologische Aspekte der kulturellen Identitätsentwicklung ohne Muttersprache - Einführung in Gebärdensprache und Gehörlosenkultur - Gehörlosengemeinschaft als Familienersatz - Einfluss der Nationalsozialisten auf die Gehörlosengemeinschaft, gehörlose Juden und Gebärdensprache - Interviews mit gehörlosen Juden aus verschiedenen Ländern - Multikulturalität; Identitätscollagen, -transformation.

Der Autor: Mark Zaurov (gehörlos) emigrierte unter der Breschnew-Ära aus Russland nach Israel, wo er seine ersten Sprachen, Hebräisch und israelische Gebärdensprache, erlernte. 1981 kam er nach Deutschland, wo er in den neuen Sprachen, Deutsch, Deutsche Gebärdensprache (DGS) und Amerikanische Gebärdensprache (ASL) sein Studium in Gebärdensprache, Pädagogik und Geschichte 2001 abschloss. Zwischendurch absolvierte er ein Gaststudium in der Gallaudet University, USA. Gegenwärtig ist er durch ein Friedrich-Ebert-Stipendium Promotionsstudent an der Universität Hamburg und doziert in Seminaren und Kongressen über Kultur, Soziologie und Geschichte, z.B. in den Deaf History International Kongressen (Washington D.C. 2000 und Paris 2003) und Deaf Way II (Washington D.C. 2002).

Peter Lang Verlag

Preis: 27,50 Euro (vergriffen)

www.peterlang.de

ISBN 3-631-51808-0

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