Teaching the Holocaust

50 Jahre Jubiläum Yad Vashem

Bericht von Dominik Henseler (2. Vorsitzender IGJAD):

Im Zuge der 50-Jahr-Jubiläumsfeier der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem fand am 8-11 August 2004 eine Fachkonferenz für Pädagogen und Lehrer statt. Das Thema war: KÜNFTIGEN GENERATIONEN DEN HOLOCAUST LEHREN. Der Kongress wurde von Yad Vashem, Oranim und der Asper Foundation organisiert.

Im Frühjahr hatte Yad Vashem die Bewerbung von unserer 1. Vorsitzender IGJAD, Mark Zaurov, der als einziger Gehörloser unter vielen hörenden Bewerbern aus aller Welt, ausgesucht, was mich sehr verblüffte. Es war eine positive Überraschung, dass Yad Vashem auch Gehörlose berücksichtigte, was in Israel normalerweise nicht selbstverständlich ist. Damit ist Mark Zaurov, der erste Gehörlose neben hörenden Wissenschaftlern und Pädagogen, die dort einen Workshop gehalten haben.

Am Kongress nahmen sehr viele international anerkannte Wissenschaftler und Pädagogen aus USA, Großbritannien, Frankreich, Schweden und Deutschland teil. In allen Workshops und Vorträgen wurde englisch gesprochen und für uns Gehörlose wurde in ASL gedolmetscht. Bei der Eröffnungszeremonie war es interessant festzustellen, dass uns viele neugierig beobachteten, wie wir als Gehörlose gebärden. Selbst der Wirtschafts- und Industrieminister von Israel, Ehud Olmert, der ehemalige Bürgermeister von Jerusalem, hat uns persönlich begrüßt. Dies zeigt, dass es sehr wichtig war, bei der Eröffnungsfeier dabei zu sein; zeigen, dass es auch jüdische gehörlose Lehrer und Wissenschaftler gibt, dass Gehörlose zur Gemeinschaft gehören.

Von den verschiedenen Workshops und Vorträge von hörenden Referenten haben mir die Workshops von Ron Hollander (USA) und Dr. Manfred Gerstenfeld (Israel) am besten gefallen. Zu diesen beiden hier kurz ein Einblick.

Das Thema von Ron Hollander war: „Teaching the Holocaust using period press: A multimedia interactive student approach. Use of newspaper.” Er bewies mit einigen Zeitungsartikeln der amerikanischen Presse von damals, dass viele Menschen schon vor 1942 über verschiedene Konzentrationslager (KZ) in Deutschland und in den besetzten Gebieten bestens Bescheid wussten. Interessant war für mich auch, dass die Endlösung der Judenfrage mit der Wannseekonferenz erst nach 1942 beschlossen wurde und damit der Holocaust eingeleitet wurde. Damit wollte er die Behauptungen widerlegen, dass viele Leute damals nichts von den KZ wussten. Er zeigte auch einen Brief von dem damaligen Präsidenten des Verbandes der amerikanischen Juden an den amerikanischen Präsident Roosevelt, dass dieser um Bombardierung von Zugverbindungen hin zum KZ bat. Aus militärtaktischen Gründen tat Roosevelt es nicht um die Nazis nicht zu provozieren. Wäre er der Bitte nachgekommen, so hätte vielleicht vielen Juden das Leben gerettet werden können. Hollander legte verschiedene für mich verblüffende Beweise dar. Der Workshop hatte unter vielen Teilnehmern Erstaunen ausgelöst und auch viel Diskussionsstoff gebracht.Bei dem Workshop von Dr. Manfred Gerstenfeld (Israel) ging es um antisemitische Bilder und Karikaturen: „An effective Way to present Antisemitism and Holocaust Inversion. The use of cartoons, caricatures and photos to show Antisemitism for the Holocaust and the image of Israel.” Er zeigte verschiedene Bilder und Karikaturen, die antisemitisch sind. Er stellte den Vergleich von Karikaturen aus der Nazi-Zeitung „Der Stürmer“ und aus aktuellen arabischen Zeitschriften. dar. Es waren oft die gleichen Karikaturen zu sehen. Damit zeigte er eindeutig, dass die arabischen Zeitungen viele antisemitische Karikaturen aus der Nazizeitung „Der Stürmer“ übernommen haben. Grundtypen der antisemitischen Bilder und Karikaturen waren oft Blut, Geld, Judennase, Kippa, der böse Blick, hinterlistige Körperausdruck und Waffe. Selbst in den seriösen Zeitungen aus Frankreich, Schweden, Griechenland und Deutschland sind solche Typen in Karikaturen über Nahostprobleme zu sehen. Es war ein sehr interessanter Workshop, besonders als viele aktuelle antisemitische Karikaturen über den Premierminister von Israel, Ariel Scharon, zu sehen waren und als solche diskutiert wurden.

„Visual Art Representation and Movie Demonstration of Deaf Jewish Community Members as Methodological and Philosophical Tools in Current German or Holocaust Education“ war der einzige “gehörlose” Workshop bei diesem Kongress, gehalten von dem gehörlosen Doktorand Mark Zaurov. Er zeigte einige Filmausschnitte von dem in Deutschland/Europa bekannten Film “Verkannte Menschen” und von der Dokumentation aus USA im Jahr 1984. Mit diesem historischen Rückblick als Hintergrundinformation hielt er einen Vortrag über gehörlose Juden als doppelte kulturelle Minderheit innerhalb den gehörlosen und den jüdischen Gemeinschaften heutzutage. (Mehr darüber ist in seinem Buch „Gehörlose Juden“ zu erfahren.) Neben den Filmen zeigte er auch verschiedene Bilder und Fotos von gehörlosen jüdischen Künstlern: Maurice Minkowski, David Bloch, Richard Liebermann und Rudolf Franz Hartogh; Künstler, die Pogrom und Holocaust in ihren Werken sichtbar machten. Auch aus dem politischen Bereich zeigte er Fotos von Erwin Kaiser und dessen deutsch-jüdischen Verband und auch den europäischen jüdischen Verband. Zudem zeigte er den Lebenslauf von Wladislau Zeitlin, einem deutsch-jüdischen Wissenschaftler. Zum Abschluss gab es viele Fragen von interessierten hörenden Teilnehmern, für sie alles neu waren. Insgesamt war der Workshop für Gehörlose ein großer Erfolg. Zum ersten Mal wurde in Yad Vashem wertvolle und wichtige Öffentlichkeitsarbeit für Gehörlose in Israel geleistet.

Zum Abschluss des Kongresses gab es eine schöne und etwas abenteuerliche Führung durch die Baustelle des neuen Yad Vashem Museums, das erst im Jahr 2005 fertig gestellt wird. Bei der Schlussrede hielt der Oberrabiner von Israel, Israel Meir Lau, eine Rede zu seiner Kindheit im KZ Ausschwitz, wie er es erlebte. Weiterhin kritisierte er den Rummel um das Schicksal von Anne Frank, weil es mehr um Person ging als um jüdische Volk während des Holocaust. Der Direktor von Yad Vashem, Dr. Motti Shalem, beendete dann den Kongress und wünschte den Teilnehmern eine gute Heimreise und ein Wiedersehen im Jahr 2006.

Die Fotos von der Israelreise 2004:

Die Eröffnungszeremonie in Yad Vashem

Der israelische Wirtschafts- und Industrieminister Ehud Olmert bei seiner Rede. Auf der linken Seite ist die ASL-Dolmetscherin Esther Resnick.

Die gehörlosen Teilnehmer beim Workshop.

Gesprächrunde nach Vortragsende

Der ehemalige Oberrabbiner von Israel, Israel Meir Lau, erzählt von seiner Kindheit im KZ Auschwitz.

Nach dem Kongress folgte ein gemütliches Essen in einem Edel-Restaurant.

von links nach rechts: Dominik Henseler, Mark Zaurov und Aneta Chavizon

Mark Zaurov und Moshe Bamberger in dem Helen-Keller Zentrum/ Tel-Aviv

Israel Savir und Mark Zaurov vor dem Grab des gehörlosen Arztes Dr. Isidor Spokojny, der damals in München den gl. Kulturverein "Kulturzirkel" gegründet hat.

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